Chronische viszerale Schmerzen durch vaskuläre Mechanismen
Definition
Chronische viszerale Schmerzen aufgrund vaskulärer Mechanismen sind chronische viszerale Schmerzen, die auf Veränderungen der arteriellen und/oder venösen Blutgefäße zu/von den Eingeweiden der Kopf-/Halsregion, dem Brust-, Bauch- und Beckenraum oder auf Schmerzzustände des vaskulären Systems zurückzuführen sind, die Schmerzen an anderen Stellen (z. B. in den Gliedmaßen) verursachen [1-5]. Solche Schmerzen können die Folge einer verminderten arteriellen Blutversorgung der Eingeweide aufgrund einer erkrankten Arterie oder einer systemischen Hyperkoagulabilität, vaskulärer Funktionsveränderungen (Vasospasmus) oder einer Venenthrombose sein. Anschauliche Beispiele: im Kopf-/Halsbereich: Vaskulitis (SLE, Polyarteriitis nodosa); im Brustbereich: rezidivierende und chronische ischämische Herzkrankheiten; im Bauchbereich: chronische Gefäßerkrankungen des Darms, z. B. Mesenterialangina; Vaskulitis, z. B. im Zusammenhang mit autoimmunen Bindegewebserkrankungen, z. B., Polyarteriitis nodosa; für die Beckenregion: subakute ischämische Kolitis, Varikosis der Beckenvenen (pelvines Stauungssyndrom). Der Schmerz wird in den somatischen Geweben der Körperwand (Haut, Unterhaut, Muskeln) in Bereichen wahrgenommen, die die gleiche sensorische Innervation erhalten wie das innere Organ, von dem das Symptom ausgeht (referred visceral pain) [2]. In diesen Bereichen kommt es häufig zu einer sekundären Hyperalgesie (erhöhte Empfindlichkeit gegenüber schmerzhaften Reizen in anderen Bereichen als dem primären Ort des nozizeptiven Inputs) [3]. Diagnostische Kriterien: Die Bedingungen A bis D sind erfüllt: A. Es besteht ein chronischer Schmerz (länger als 3 Monate anhaltend oder wiederkehrend), der durch beide der folgenden Punkte gekennzeichnet ist: A.1 Die eindeutige anatomische Lokalisation ist mit typischen Schmerzausstrahlungen (sog. "referred pain") vereinbar, die von bestimmten inneren Organen ausgehen. A.2 Die Anamnese deutet auf relevante Veränderungen der arteriellen und/oder venösen Blutgefäße von/zu inneren Organen hin. B. Mindestens ein Bestätigungstest weist eine anatomische Lokalisation nach, die mit einer spezifischen Schmerzausstrahlung (sog. "referred pain") vereinbar ist. C. Mindestens ein Bestätigungstest weist die relevante Gefäßerkrankung nach. D. Der Schmerz kann nicht besser durch eine andere Diagnose chronischer Schmerzen erklärt werden.
Inclusions
- Chronische viszerale Schmerzen durch vaskuläre Mechanismen der Bauchregion
- Chronische viszerale Schmerzen durch vaskuläre Mechanismen der Beckenregion
- Chronische viszerale Schmerzen durch vaskuläre Mechanismen der Kopf- oder Halsregion
- Chronische viszerale Schmerzen durch vaskuläre Mechanismen der Thorax-Region