Komplexes regionales Schmerzsyndrom
Definition
Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) ist eine chronische Schmerzerkrankung in einer Extremität mit einem variablen Verlauf über die Zeit. Es ist gekennzeichnet durch anhaltende regionale Schmerzen (nicht in einem bestimmten Nervengebiet oder Dermatom), in der Regel mit distaler Dominanz oder einem Gradienten von distal nach proximal. Es tritt typischerweise nach einem Gewebetrauma auf, Stärke oder Dauer sind scheinbar unverhältnismäßig zum üblichen Schmerzverlauf nach einem solchen Gewebetrauma. Das CRPS ist gekennzeichnet durch klinische Zeichen, die auf autonome und neuroinflammatorische Veränderungen in der betroffenen Körperregion hinweisen und die von Patient zu Patient und über die Zeit variieren. Oft wird CRPS das von signifikanten emotionalen Belastungen oder funktionellen Behinderungen begleitet. Wie jede chronische Schmerzerkrankung ist auch CRPS multifaktoriell: biologische, psychologische und soziale Faktoren tragen zur Ausbildung des Krankheitsbild bei. Die Diagnose basiert allein auf klinischen Zeichen und Symptomen, so dass die Erkrankung unabhängig von identifizierten biologischen oder psychologischen Faktoren diagnostiziert werden kann, aber nur dann gestellt werden sollte, wenn es keine andere Diagnose gibt, die die vorliegenden Zeichen und Symptome besser erklären würde. Zu den alternativen chronischen Schmerzdiagnosen, die in Betracht gezogen werden sollten, gehören chronische neuropathische Schmerzen und chronische Schmerzen des Bewegungsapparats einschließlich rheumatologischer Erkrankungen. Wenn regionale Extremitätenschmerzen mit einer diskreten peripheren Nervenschädigung einhergehen, kann ein CRPS nur dann diagnostiziert werden, wenn die CRPS-Zeichen und -Symptome über das identifizierte verletzte Nervengebiet hinausgehen; die klinischen Merkmale der Nervenläsion (Taubheit, Parästhesien) können auf das betroffene Nervengebiet beschränkt sein; diese Situation wird auch als "CRPS II" bezeichnet. Diagnostische Kriterien: Kriterien: Da es keinen diagnostischen Test gibt, wird CRPS auf der Grundlage der klinischen Zeichen und Symptome diagnostiziert. Die Bedingungen A bis E sind erfüllt: A. Es bestehen chronische Schmerzen in einer Extremität (länger als 3 Monate anhaltend oder wiederkehrend) B. Der Schmerz ist mit mindestens einem Symptom aus drei der vier folgenden Kategorien* verbunden: B.1 Sensorisch: Hyperalgesie und/oder Allodynie B.2 Vasomotorisch: Temperaturasymmetrie und/oder Veränderungen der Hautfarbe und/oder Asymmetrie der Hautfarbe B.3 Sudomotorisch/Ödem: Ödeme und/oder Veränderungen und/oder Asymmetrie der Schweißsekretion B.4 Motorisch/trophisch: verminderter Bewegungsumfang und/oder motorische Dysfunktion (Schwäche, Tremor, Dystonie) und/oder trophische Veränderungen (Haare, Nägel, Haut) C. Muss zum Zeitpunkt der Beurteilung mindestens ein Zeichen in zwei oder mehr der folgenden Kategorien aufweisen: C.1 Sensorik: Hyperalgesie (auf PinPrick- oder Nadel-Reize) und/oder Allodynie (z. B. auf leichte Berührung, Druckreize oder Gelenkbewegung) C.2 Vasomotorisch: Temperaturasymmetrie und/oder Veränderungen der Hautfarbe und/oder Asymmetrie C.3 Sudomotorisch/Ödem: Ödeme und/oder Veränderungen der Schweißbildung und/oder Asymmetrie der Schweißbildung C.4 Motorisch/trophisch: verminderter Bewegungsumfang und/oder motorische Dysfunktion (Schwäche, Tremor, Dystonie) und/oder trophische Veränderungen (Haare, Nägel, Haut) D. Der Schmerz ist mit mindestens einem der folgenden Punkte verbunden: D.1 Es besteht eine schmerzbedingte emotionale Belastung. D.2 Die Schmerzen beeinträchtigen die Aktivitäten des täglichen Lebens und die soziale Teilhabe. E. Die Schmerzen lassen sich nicht besser durch eine andere chronische Schmerzerkrankung erklären. Es können verschiedene Typen von CRPS unterschieden werden: CRPS Typ I: Entwickelt sich nach jeder Art von Trauma, insbesondere nach einer Extremitätenenfraktur oder Weichteilverletzung. CRPS Typ I beinhaltet keine diskrete Nervenschädigung. Die diagnostischen Zeichen und Symptome von CRPS Typ I und CRPS Typ II sind identisch. CRPS Typ II: Tritt nach einem Trauma auf, das mit einer diskreten peripheren Nervenschädigung einhergeht, gezeigt durch eine neurologische Untersuchung, elektrodiagnostische Tests oder andere quasi-objektive Tests. Während die klinischen Merkmale der Nervenläsion (Taubheit, Parästhesien) auf das betroffene Nervengebiet beschränkt sind, müssen die CRPS-Zeichen und -Symptome über das identifizierte Nervengebiet hinausgehen. Die diagnostischen Zeichen und Symptome von CRPS Typ I und CRPS Typ II sind identisch. CRPS mit Remission einiger Merkmale: Diese Kategorie bezieht sich auf Patienten, bei denen zu einem früheren Zeitpunkt dokumentiert wurde, dass sie die vollen CRPS-Kriterien (entweder CRPS 1 oder CRPS 2) erfüllen, die aber derzeit nicht genügend Anzeichen und Symptome aufweisen, um die vollen Kriterien zu erfüllen. Patienten in dieser Kategorie sind nicht notwendigerweise in Bezug auf die Schmerzintensität gebessert oder frei von allen CRPS-bezogenen Zeichen und Symptomen. Erläuterung zur Anwendung der diagnostischen Kriterien: - Alle Patienten sollten bei jeder formalen diagnostischen Bewertung systematisch nach allen in den Kriterien aufgeführten Symptomen befragt werden, auch wenn sie zuvor nicht über bestimmte Symptome berichtet haben. CRPS-Zeichen und -Symptome schwanken nach klinischer Beobachtung mit der Zeit. - Erläuterung der Begriffe "Asymmetrie" und "Veränderungen", wie sie in den CRPS-Kriterien verwendet werden: Beim unilateralem CRPS wird die Asymmetrie durch den Vergleich der betroffenen Seite (der Seite, die am meisten schmerzt) mit der nicht betroffenen Seite beurteilt. Beim (viel seltenerem) bilateralem CRPS werden die Veränderungen in den betroffenen Extremitäten im Vergleich mit einer nicht betroffenen Extremität des Patienten oder den Extremitäten einer typischen gesunden Person verglichen. Die Asymmetrie basiert ausschließlich auf der klinischen Beurteilung und nicht auf vorgegebenen Kriterien. - Um eine mögliche Ausbreitung des CRPS über eine einzelne Extremität hinaus zu beurteilen, müssen die vollständigen ICD-11-Diagnosekriterien auf jede einzelne Extremität angewendet werden. Eine echte Ausbreitung des CRPS ist definiert als ein CRPS, das die vollständigen ICD-11-Diagnosekriterien für mehrere Extremitäten erfüllt - eine Ausbreitung der Schmerzen auf andere Extremitäten, die nicht ungewöhnlich ist, wird beim Fehlen anderer CRPS-Merkmale formal nicht als Ausbreitung des CRPS betrachtet. - SYMPTOME (wie vom Patienten angegeben oder vom Patienten erfragt, entweder aktuell oder anamnestisch) o Hyperalgesie ist jeder geringfügige schmerzhafte Reiz, der jetzt als intensiv oder länger anhaltend wahrgenommen wird; o Allodynie ist ein normalerweise neutraler Reiz, der jetzt als schmerzhaft empfunden wird. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Patient über Taubheit oder Hyopsensitivität berichtet, auch wenn in derselben Körperregion eine deutliche Allodynie vorliegt. o Temperaturasymmetrie, die für den Patienten offensichtlich ist. o Farbasymmetrie, die für den Patienten offensichtlich ist. o Asymmetrie der Schweißsekretion, die für den Patienten offensichtlich ist. o Ödeme, die für den Patienten offensichtlich sind (können als Schwellungen beschrieben werden). o Dystrophische Veränderungen (vermehrtes oder vermindertes Wachstum, veränderte Textur) von Nägeln, Haaren oder Haut, die der Patient berichtet. o Motorische Störungen wie Schwäche, Tremor, Dystonie (Gliedmaßen in ungewöhnlicher Position blockiert) oder Zuckungen der Extremitäten, die der Patient berichtet. Verminderter Bewegungsumfang, den der Patient berichtet. - Zeichen (wie vom Untersucher am Untersuchungstag beobachtet) o Hyperalgesie wird dadurch angezeigt, dass ein milder noxischer Reiz als sehr schmerzhaft empfunden wird oder der Schmerz länger anhält als die Dauer des Reizes. Klinisch geprüft durch einen einzelnen PinPrick- oder Nadelreiz an der betroffenen Seite (im Zentrum, der am stärksten betroffenen Region) und an der gleichen Stelle der kontralateralen Extremität. o Allodynie kann auf verschiedene Arten ausgelöst werden, die alle auf der Angabe von Schmerzen als Reaktion auf einen normalerweise nicht schmerzhaften Reiz beruhen. Die bei der klinischen Beurteilung verwendeten Reize können leichte Berührung, Vibration, kühle oder warme Reize, Druckreiz im betroffenen Bereich oder Gelenkbewegungen sein. o Folgende Untersuchungen werden vorgeschlagen: Allodynie bei leichter Berührung, die durch leichte manuelle Berührung mit der Hand (oder Pinsel) getestet wird; Allodynie bei Gewebedruck, die durch einen Druckreiz auf ein Gelenk oder ein anderes Gewebe mit dem Finger des Bewerters mit gerade so viel Druck ausgelöst wird, dass das Nagelbett des Bewerters abblasst (weiß wird - dieser Druck liegt typischerweise unter 100 g/cm2, d. h. deutlich unter dem Druck, der für die Untersuchung von Tender Points bei anderen Erkrankungen erforderlich ist, typischerweise 4 kg/cm2), Allodynie bei Vibration, die mit einer abgestuften Stimmgabel über einem knöchernen Vorsprung der betroffenen Extremität beurteilt wird; Allodynie bei Temperaturreizen. o Temperaturasymmetrie im betroffenen Bereich im Vergleich zum entsprechenden Bereich an der kontralateralen Extremität, die für den Untersucher bei Berührung mit seinem Handrücken nachvollziehbar ist. o Offensichtliche Farbasymmetrie regionaler Art (d. h. Hand, Fuß, Knie oder größere Region). Bitte geben Sie die Art der Farbveränderungen an, z. B. rot, blau, blass, marmoriert, o Offensichtliche Asymmetrie der Schweißsekretion. o Asymmetrische Ödeme, die vom Untersucher beobachtet werden oder durch objektiv gemessene Volumetrie (in cm3) im Seitenvergleich oder durch den Umfangsmessung der Extremitäten mit einem Maßband an entsprechend identischer Stelle , quantifiziert werden können. Wenn kein Maßband oder kein für die Extremität ausreichend großer Messzylinder zur Verfügung steht, lassen Sie die Quantifizierung einfach weg, solange eine kategorische Antwort "ja/nein" getroffen wird. o Dystrophische Veränderungen der betroffenen Extremität, die der Untersucher an Nägeln, Haaren (vermehrtes oder vermindertes Wachstum) oder der Haut (glänzend, dünn, dick usw.) der betroffenen Seite feststellt. o Motorische Störungen in der Untersuchung, wie verminderter Bewegungsumfang, Schwäche, Tremor oder Dystonie auf der betroffenen Seite. Es wurde eine seltene Einschränkung der CRPS-Diagnosekriterien festgestellt: In einigen Fällen kann ein objektives CRPS-Diagnosezeichen wie Farb- oder Temperaturasymmetrie oder Schwellung vom Untersucher beobachtet werden, ohne dass der Patient das entsprechende subjektive Symptom angibt. Dies kann z. B. vorkommen, wenn der betroffene Körperbereich schwer zu sehen/zu erreichen ist oder wenn ein Patient eine eingeschränkte Sehkraft oder Temperaturwahrnehmung hat. Diese Situation kann dazu führen, dass die Anzahl der diagnostischen Symptomkategorien eines Patienten unter den für eine formale Diagnose erforderlichen Schwellenwert von 3 fällt, obwohl der Patient objektiv ausreichende klinische Merkmale für eine Diagnose aufweist. Aufgrund der statistischen Methoden, mit denen die CRPS-Kriterien entwickelt und validiert wurden, hat das Vorhandensein von CRPS-Zeichen keinen Einfluss auf das Fehlen ausreichender Symptome für die Diagnose.
Also indexed as
Nearby in Chronische primäre Schmerzen
MG30.00Chronische primäre viszerale SchmerzenMG30.01Chronisches ausgedehntes SchmerzsyndromMG30.02Chronische primäre muskuloskelettale SchmerzenMG30.03Chronische primäre Kopfschmerzen oder orofaziale Schmerzen7B2YSonstige näher bezeichnete Schlaf-Wach-Störungen7B2ZSchlaf-Wach-Störungen, nicht näher bezeichnet