Metachromatische Leukodystrophie
Definition
Die metachromatische Leukodystrophie ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch eine Anhäufung von Sulfatiden (sulfatierte Glycosphingolipide, insbesondere Sulfogalactosylceramide oder Sulfogalactocerebroside) im Nervensystem und in den Nieren gekennzeichnet ist. Es gibt drei Formen der Krankheit: spätkindlich, jugendlich und erwachsen. Ihre Inzidenz liegt zwischen 0,5 und 1/50 000 (60 % im späten Säuglingsalter, 20-30 % im Jugendalter und 10-20 % im Erwachsenenalter). Die Prävalenz wird auf 1 Fall von 625 000 geschätzt. Die spätinfantile Form ist die häufigste und beginnt um das Gehalter herum, wobei Hypotonie, Gehschwierigkeiten, Optikusatrophie und motorische Regression den geistigen Beeinträchtigungen vorausgehen. Das periphere Nervensystem ist systematisch betroffen (die Nervenleitgeschwindigkeiten sind reduziert). Die Erkrankung schreitet innerhalb weniger Jahre zu einem Zustand der Dezerebration fort, wobei der Tod innerhalb von 5 Jahren nach Auftreten der Symptome eintritt. Es sollte systematisch auf Anzeichen einer Sulfatidanreicherung, insbesondere im Urin (Sulfatidurie), geachtet werden. Die juvenile Form beginnt im Alter von 4 oder 5 Jahren mit einer gestörten intellektuellen Entwicklung, gefolgt von einer motorischen Regression, epileptischen Anfällen und Ataxie. Die Krankheit schreitet weniger schnell voran als die infantile Form, verläuft aber immer tödlich, wobei die meisten Patienten vor dem 20. Bei der erwachsenen Form kann der Ausbruch der Krankheit um das 15. Lebensjahr herum erfolgen, häufig wird die Krankheit jedoch erst im Erwachsenenalter diagnostiziert. Zu den klinischen Anzeichen gehören entweder motorische oder psychiatrische Störungen, aber der Verlauf ist langsam. Die Krankheit kann sich als epileptische Anfälle manifestieren. Eine Sulfatidurie ist vorhanden, jedoch in geringerem Maße als bei den früher auftretenden Formen. Die metachromatische Leukodystrophie wird autosomal rezessiv vererbt und beruht auf der Unfähigkeit, Cerebrosid-Sulfat zu metabolisieren. In den meisten Fällen ist das fehlende Enzym die Arylsulfatase A, deren Gen auf Chromosom 22 (22q) lokalisiert wurde. Bei der spätinfantilen Form ist die Aktivität der Arylsulfatase A sehr gering bis gar nicht vorhanden. Bei der juvenilen Form sind Enzymmangel und Sulfatidurie ebenfalls vorhanden, aber weniger ausgeprägt als bei der infantilen Form, während bei der adulten Form eine Restaktivität des Enzyms vorhanden ist. In seltenen Fällen wurden Mutationen in dem Gen gefunden, das für einen Aktivator kodiert, der an der enzymatischen Hydrolyse der Lipide beteiligt ist, genannt SAP-B, das auf Chromosom 10 (10q21-22) liegt. Die klinischen Symptome der metachromatischen Leukodystrophie aufgrund eines Aktivatormangels sind identisch mit denen der infantilen oder juvenilen metachromatischen Leukodystrophie. Die Arylsulfatase A ist normal, aber die Sulfatidwerte sind erhöht. Es kann ein Screening auf heterozygote Personen und eine pränatale Diagnose durchgeführt werden. Für diese Erkrankung gibt es keine spezifische Behandlung. Eine Knochenmarktransplantation kann bei Personen mit spät einsetzender infantiler oder juveniler Form vor dem Auftreten von Symptomen in Betracht gezogen werden, um die neurokognitiven Funktionen zu stabilisieren, ist aber nicht effizient. Eine Substitutionsenzymtherapie wird derzeit untersucht.