Prader-Willi-Syndrom
Definition
Das Prader-Willi-Syndrom ist eine seltene genetische Störung, die durch hypothalamisch-hypophysäre Anomalien mit schwerer Hypotonie während der Neugeborenenperiode und in den ersten zwei Lebensjahren sowie durch das Auftreten von Hyperphagie mit dem Risiko von krankhaftem Übergewicht im Säuglings- und Erwachsenenalter, Lernschwierigkeiten und Verhaltensstörungen oder schweren psychiatrischen Problemen gekennzeichnet ist. Die Krankheit betrifft 1/25.000 Geburten. Die schwere Hypotonie bei der Geburt, die zu Saug- und Schluckproblemen und einer verzögerten psychomotorischen Entwicklung führt, bessert sich teilweise mit dem Alter. Charakteristische Gesichtszüge (schmale Stirn, mandelförmige Augen, dünne Oberlippe und nach unten gebogener Mund) sowie sehr kleine Hände und Füße sind häufig zu beobachten. Nach dieser Anfangsphase treten die auffälligsten Anzeichen auf: Hyperphagie und fehlendes Sättigungsgefühl, was bei betroffenen Kindern im Alter von zwei Jahren oft zu schwerer Fettleibigkeit führt. Ohne angemessene äußere Kontrolle kann sich die Situation schnell verschlechtern, und die Fettleibigkeit ist ein wichtiger Faktor, der die Morbidität und Mortalität dieser Patienten beeinflusst. Andere damit verbundene endokrine Anomalien tragen zum klinischen Bild der Kleinwüchsigkeit bei, die auf einen Mangel an Wachstumshormon (GH) und eine unvollständige Pubertätsentwicklung zurückzuführen ist. Der Grad der kognitiven Dysfunktion variiert stark von Kind zu Kind. Sie geht mit Lernbehinderungen und einer gestörten Sprachentwicklung einher, die durch psychologische und Verhaltensstörungen noch verschlimmert werden. Die Krankheit ist klinisch und genetisch heterogen. Sie wird durch Anomalien in der kritischen Region des Chromosoms 15 (15q11-q13) verursacht. Die Experten sind sich einig, dass die Diagnose anhand klinischer Kriterien (Holm-Kriterien von 1993, überarbeitet 2001) mit Bestätigung durch genetische Analysen gestellt werden sollte. Die meisten Fälle treten sporadisch auf, und ein familiäres Wiederauftreten ist selten, worüber eine genetische Beratung Aufschluss geben sollte. Die Behandlung sollte umfassend und multidisziplinär sein. Eine frühzeitige Diagnose, eine frühzeitige multidisziplinäre Betreuung und eine GH-Behandlung haben die Lebensqualität der betroffenen Kinder erheblich verbessert. Derzeit gibt es keine Langzeitdaten über die Wirkung der GH-Behandlung bei Erwachsenen, insbesondere was die Auswirkungen auf Verhaltensprobleme und den Grad der erlangten Autonomie betrifft. Bei Erwachsenen stellen die mit der Fettleibigkeit verbundenen Komplikationen und die Frage der Autonomie weiterhin ein großes Problem dar.