Meckel-Gruber-Syndrom
Definition
Das Meckel-Syndrom (MKS) ist eine monogene Erkrankung, die durch eine Kombination von Nierenzysten und unterschiedlich assoziierten Merkmalen gekennzeichnet ist, darunter Entwicklungsanomalien des Zentralnervensystems (in der Regel okzipitale Enzephalozele), hepatische Duktusdysplasie und Zysten sowie Polydaktylie. Die Prävalenz wird auf zwischen 1 und 10,7 pro 142 860 Geburten geschätzt. In Finnland ist die Störung ungewöhnlich häufig: Die Prävalenz liegt bei 1 zu 9 000 Geburten und die Mutationshäufigkeit bei 1 %. Die Polydaktylie ist meist postaxial (6. Finger), manchmal aber auch präaxial (Daumenduplikation). Eine Verkrümmung der langen Gliedmaßenknochen tritt in etwa einem Sechstel der Fälle auf. Andere Anomalien wie Gaumenspalten, Anophthalmus oder Mikrophthalmus, Harnröhrenatresie und Fehlbildungen des Herzens und der Genitalien können ebenfalls auftreten. Das Meckel-Syndrom ist eine heterogene autosomal-rezessive Störung, für die drei Loci kartiert wurden: MKS1 auf 17q, MKS2 auf 11q, und MKS3 auf 8q. Zystische Dysplasie der Nieren ist ein obligates Merkmal für die Diagnose. Fibrotische Veränderungen in der Leber und eine okzipitale Enzephalozele oder eine andere Fehlbildung des Zentralnervensystems (z. B. Dandy-Walker-Missbildung) sind minimale Diagnosekriterien. Ein Vergleich der klinischen Merkmale von MKS3-verknüpften Fällen mit denen von MKS1- und MKS2-verknüpften Familien deutet darauf hin, dass Polydaktylie (und möglicherweise Enzephalozele) in MKS3-verknüpften Familien seltener vorkommen. Das Meckel-Syndrom ist das am häufigsten diagnostizierte spezifische Syndrom bei Fehlbildungen, die mit Neuralrohrdefekten einhergehen. Die genetische Beratung besteht darin, die Eltern eines betroffenen Patienten darüber zu informieren, dass das Wiederholungsrisiko bei allen folgenden Schwangerschaften 25 % beträgt. Die pränatale Diagnose kann durch die Feststellung eines zystischen anechoiden intrakraniellen Bildes und/oder eines Schädeldefekts am Ende des ersten Trimesters sowie durch abnorm vergrößerte Nieren gestellt werden. Andere Merkmale können später in der Schwangerschaft bei der Ultraschalluntersuchung festgestellt werden. Bei der Fruchtwasseruntersuchung kann ein erhöhtes Alpha-Fetoprotein im Fruchtwasser aufgrund einer Enzephalozele festgestellt werden. Wenn die Schwangerschaft zu Ende geführt wird, tritt der Tod in der Perinatalperiode ein.