Angeborener Plasminogen-Aktivator-Inhibitor-1-Mangel
Definition
Der Mangel an Plasminogenaktivator-Inhibitor Typ 1 (PAI-1) ist eine Störung, die zu einer vorzeitigen Auflösung von Blutgerinnseln und einem mäßigen Blutungssyndrom führt. Die Prävalenz ist unbekannt. PAI-1 ist der physiologische Inhibitor des Plasminogenaktivators vom Gewebetyp (t-PA), der Hauptquelle der intravaskulären Fibrinolyse. Spontane Blutungen werden selten beobachtet, während mäßige Blutungen an Knien, Ellenbogen, Nase und Gingiva in der Regel durch ein leichtes Trauma ausgelöst werden. Menstruationsblutungen können jedoch schwerwiegend sein, und eine anhaltende Blutung nach einer Operation ist häufig. Bei heterozygoten Personen (partieller Mangel) sind die Blutungen seltener und weniger stark oder gar nicht vorhanden. Der PAI-1-Mangel kann qualitativ oder quantitativ sein, und bei einigen wenigen Patienten ist das Protein zwar vorhanden, aber funktionell inaktiv. Betroffene Patienten tragen ein (heterozygot) oder zwei (homozygot) Allele mit der Mutation, was zu einem partiellen oder totalen antigenen PAI-1-Mangel führt. Sowohl der partielle als auch der totale PAI-1-Mangel sind extrem seltene Erkrankungen, die autosomal dominant vererbt werden. Die Diagnose basiert auf der antigenen (ELISA) und funktionellen (chromogener Test) Dosierung von PAI-1. In einigen Fällen kann eine Genotyp-Analyse erforderlich sein. Die unverzügliche Diagnose eines antigenen oder funktionellen PAI-1-Mangels ist zwingend erforderlich, da Blutungen sicher und effizient mit Fibrinolysehemmern (Epsilon-Aminocapronsäure oder Tranexamsäure) behandelt werden können, wodurch die Verwendung von Blut und Derivaten vermieden werden kann.