Hydantoin-Embryopathie
Definition
Das fötale Hydantoinsyndrom ist eine Fötopathie, die auftreten kann, wenn eine schwangere Frau Phenytoin (Diphenylhydantoin) gegen epileptische Anfälle einnimmt. Phenytoin ist ein Antikonvulsivum, das in Frankreich seit mehr als 40 Jahren vermarktet wird. Etwa 2 % der Frauen, die ein Kind zur Welt bringen, sind Epileptikerinnen, und Phenytoin wird 5 bis 20 % dieser Patientinnen verschrieben, wobei es Unterschiede zwischen den Ländern gibt. Die In utero-Exposition gegenüber diesem Medikament kann beim Neugeborenen zu einem charakteristischen dysmorphen Syndrom führen, das unter anderem spärlich sitzendes Haar, einen kurzen Hals mit Pterygium colli, eine kleine Nase, einen tiefen Nasenrücken, Epikanthus, Hypertelorismus, einen großen Mund, missgebildete Ohren, hypoplastische distale Phalangen der Finger und Zehen und fingerartige Daumen umfasst. Diese dysmorphen Merkmale sind häufig mit Wachstumsverzögerungen und einer verzögerten psychomotorischen Entwicklung verbunden. Das Risiko einer neurologischen Beeinträchtigung wird auf 1 bis 11 % geschätzt und ist damit zwei- bis dreimal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Wie bei anderen Antiepileptika ist das Risiko von Mundspalten und Herzfehlbildungen bei hydantoinexponierten Säuglingen fünfmal höher, aber die jeweilige Rolle der Epilepsie und des Antiepileptikums bei der Ätiologie dieser Fehlbildungen ist nicht eindeutig geklärt. Fallberichte deuten auf ein erhöhtes Risiko für das Auftreten gutartiger oder bösartiger Tumore wie Neuroblastom oder anderer neonataler Tumore (Ependymom, ektodermale Tumore, Wilms-Tumor) hin. Der Mechanismus, der diesen Anomalien zugrunde liegt, hängt nachweislich von den genetischen Merkmalen der Mutter ab, d. h. von der Fähigkeit der Mutter, die Intermediärmetaboliten von Phenytoin zu entgiften. Dies ist ein charakteristisches Beispiel für die Rolle der Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt bei der Entstehung von Geburtsfehlern. Frauen, die Phenytoin einnehmen und eine Schwangerschaft planen, sollten zur Vorbeugung von Fehlbildungen Folsäurepräparate (5 mg pro Tag) erhalten, und zwar bereits vor der Empfängnis.