Holoprosenzephalie
Definition
Die Holoprosencephalie (HPE) ist eine komplexe Hirnfehlbildung, die durch eine unvollständige Spaltung des Prosencephalons entsteht, zwischen dem 18. und 28. Sie tritt schätzungsweise bei 1/16.000 Lebendgeburten und 1/250 Konzeptionen auf. Es wurden drei Bereiche mit zunehmendem Schweregrad beschrieben: lobarer, semi-lobarer und alobarer HPE. Ein weiterer milderer Subtyp von HPE, die so genannte mittlere interhemisphärische Variante (MIHF) oder Syntelencephalie, ist ebenfalls beschrieben worden. In den meisten Fällen werden bei HPE Gesichtsanomalien beobachtet, wie Zyklopie, Rüssel und mediane oder bilaterale Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei schweren Formen und okulärer Hypotelorismus oder ein einzelner medianer zentraler Oberkieferschneidezahn bei leichteren Formen. Die letztgenannten Mittellinienfehler können auch ohne die zerebralen Fehlbildungen auftreten und werden dann als Mikroformen bezeichnet. Kinder mit HPE haben viele medizinische Probleme: Entwicklungsverzögerungen und Fütterungsschwierigkeiten, Epilepsie und Instabilität von Temperatur, Herzfrequenz und Atmung. Endokrine Störungen wie Diabetes insipidus, Nebennierenhypoplasie, Hypogonadismus, Schilddrüsenhypoplasie und Wachstumshormonmangel sind häufig. Bislang wurden sieben Gene positiv mit HPE in Verbindung gebracht: Sonic hedgehog (SHH), ZIC2, SIX3, TGIF, PTCH, GLI2 und TDGF1. Eine molekulare Diagnose kann durch Gensequenzierung und Allelquantifizierung für die vier Hauptgene (SHH, ZIC2, SIX3 und TGIF) gestellt werden. Größere Rearrangements der Subtelomere können auch durch Multiplex-Ligations-abhängige Sondenamplifikation (MLPA) identifiziert werden. Dennoch bleibt in etwa 70 % der Fälle die molekulare Grundlage der Krankheit unbekannt, was auf die Existenz mehrerer anderer Kandidatengene oder Umweltfaktoren hindeutet. Infolgedessen wurde eine Hypothese von mehreren genetischen und/oder umweltbedingten Faktoren (wie mütterlicher Diabetes) vorgeschlagen, um die extreme klinische Variabilität zu erklären. Die pränatale Diagnose basiert auf Ultraschall und Magnetresonanztomographie (MRT) und nicht auf einer molekularen Diagnose. Die Behandlung ist symptomatisch und unterstützend und erfordert ein multidisziplinäres Management. Das Ergebnis bei Kindern hängt vom Schweregrad des HPE und den damit verbundenen medizinischen und neurologischen Komplikationen ab. Schwer betroffene Kinder haben eine sehr schlechte Prognose. Mild betroffene Kinder weisen nur wenige Symptome auf und können ein normales Leben führen.