Cushing-Syndrom
Definition
Das Cushing-Syndrom ist eine Gruppe von klinischen Symptomen, die auf einen chronischen Hyperkortisolismus zurückzuführen sind, der entweder endogen (übermäßige Produktion von Kortisol durch die Nebennieren) oder exogen (iatrogen) bedingt ist. Die jährliche Inzidenz wird auf etwa 1 von 1 Million geschätzt. Endogener Hypercortisolismus kann durch eine Hypersekretion von adrenocorticotropem Hormon (ACTH) durch ein Hypophysenadenom (Morbus Cushing) oder durch ektopische Sekretion von ACTH durch andere (nicht-hypophysäre) Tumoren (paraneoplastisches Cushing-Syndrom) verursacht werden. Alternativ kann ein endogener Hyperkortisolismus auch durch die Kortisolsekretion eines gutartigen (Adenom) oder bösartigen (Nebennierenrindenkarzinom) Tumors der Nebenniere entstehen. Zu den klinischen Manifestationen des Cushing-Syndroms gehören Fettleibigkeit im Gesicht und am Rumpf, violette Striemen, Ekchymosen, erhöhte Infektionsanfälligkeit, Muskelschwäche, Osteoporose, arterielle Hypertonie, Diabetes und neurologische Anomalien. Das Syndrom tritt in der Regel sporadisch auf, aber es wurden auch seltene erbliche Formen beschrieben (z. B. die primäre pigmentierte noduläre Nebennierenerkrankung (PPNAD), die durch Mutationen im PRKAR1A-Gen verursacht wird. Ein Hypophysenadenom kann im Rahmen der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 1 (MEN 1; siehe diesen Begriff) auftreten, die durch Mutationen im MEN1-Gen verursacht und autosomal dominant vererbt wird. Die Diagnose des Cushing-Syndroms beruht auf der Bestätigung des Hyperkortisolismus und der Identifizierung des Ursprungs der Kortisolhypersekretion (Computertomographie (CT) der Nebenniere, Magnetresonanztomographie (MRT) der Hypophyse, CT oder MRT des Abdomens und/oder des Brustkorbs, Katheteruntersuchung des Sinus petrosus). Im Mittelpunkt der Behandlung steht die Beseitigung des hypersekretierenden Tumors (Adrenalektomie oder Ablation des kortikotrophen Hypophysenadenoms, in der Regel durch einen transsphenoidalen Eingriff). Eine medikamentöse Behandlung mit Anticortisol (Op'DDD oder Mitotan (Lysodren) oder Ketoconazol (Nizoral)) kann in Fällen angezeigt sein, in denen eine vollständige Resektion nicht durchführbar ist (d. h. bei voluminösen oder invasiven Hypophysenadenomen oder nicht lokalisierter ektopischer Sekretion). Eine konventionelle oder stereotaktische Hypophysenbestrahlung ist angezeigt, wenn eine unvollständige Resektion möglich ist oder wenn eine Resektion aufgrund des großen Volumens des Hypophysenadenoms nicht durchführbar ist. Je nach Therapieansatz kann eine vorübergehende oder dauerhafte Nebenniereninsuffizienz eine Kortikoid-Substitutionstherapie erfordern. Die Prognose des Cushing-Syndroms hängt von der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad der damit verbundenen Komplikationen ab. In der Mehrzahl der Fälle kann das Syndrom jedoch wirksam behandelt werden, so dass eine endgültige Heilung möglich ist.